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Das Material

Zur Herstellung von Polyurethan(PUR)-Weichschaumstoffen werden die flüssigen Basisrohstoffe Polyalkohole, kurz Polyole genannt, und Polyisocyanate, kurz Isocyanate genannt, in einem genau definierten Mengenverhältnis eingesetzt. Beide Grundprodukte sind Derivate aus den natürlichen Rohstoffen Erdöl oder Erdgas. Die Grundstoffe werden in einem chemischen Fertigungsprozess, nämlich Dosierung, Mischung und unmittelbare Schäumung, zum gewünschten Schaumstofftyp verarbeitet, der bereits die anwendungsseitig geforderten Eigenschaften aufweist.

Hier liegt auch der entscheidende Vorteil des PUR-Weichschaums gegenüber anderen Polstermaterialien. Die vom Kunden gewünschten Eigenschaften des Produktes werden bereits im Schäumprozess erzeugt. Alle verwendeten Stoffe sind Mischungskomponenten und sind mit Abschluss der chemischen Reaktion als fester Bestandteil in die Struktur des PUR-Weichschaums eingebunden. Die Vorteile, die das synthetische Polstermaterial PUR-Weichschaum hinsichtlich seiner Verarbeitbarkeit und seines dauerhaften Gebrauchsnutzens bietet, sind selbstverständlich geworden.

Mit der aufkommenden Diskussion um sogenannte natürliche Polstermaterialien scheinen die Vorzüge des PUR-Weichschaums zuweilen in den Hintergrund gedrängt zu werden. Dabei braucht Weichschaum keinen Vergleich zu scheuen. Dies gilt nicht nur in Sachen wirtschaftliche Verarbeitung und Komfort. So bedarf es im Gegensatz zu Polstermaterial aus pflanzlicher oder tierischer Quelle beim Schaumstoff keiner Behandlung und Ausrüstung gegen Verrottung und Pilzbefall. Staubbildung und damit oftmals verbundene Allergierisiken sind bei synthetischem Material nicht gegeben. Auch wird vielfach übergangen, dass Naturprodukte ebenfalls das Ergebnis eines mehrstufigen Herstellungsprozesses sind, der durch Flächenbewirtschaftung, Gewinnung, Aufbereitung, Transport und Verarbeitung schon erhebliche ökologische Spuren hinterlassen hat. Der Begriff Naturprodukt eignet sich daher allenfalls für eine ideologische Auseinandersetzung, nicht jedoch für eine Sachdiskussion. Ausgehend vom Bestimmungszweck sind sicherlich auch Gebrauchsnutzen, Langlebigkeit und physiologische Unbedenklichkeit beachtenswert.

Umweltwirkung und Humanverträglichkeit von Stoffen die im Prozess der Polyurethan-Weichschaumherstellung eingesetzt werden - dies schließt die Rohstoffproduktion mit ein - stehen heute verstärkt im Vordergrund der öffentlichen Diskussion.

 

 

Responsible-Care-Prinzip

Den Auftakt zu der Stoffdiskussion bildete Ende der 80er Jahre die Auseinandersetzung um die ozonschädigende Wirkung von Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffen (FCKW). Die Schaumstoffhersteller im VWI hatten als einzige Branche, die FCKW verwendete, sehr frühzeitig der Politik eine freiwillige Selbstverpflichtung für einen Ausstieg aus der Herstellung FCKW-geschäumter Weichschaumstoffe vorgelegt. Dies obwohl der ausländische Wettbewerb weder freiwillig noch durch gesetzliche Maßnahmen auf die Produktion niedriger Raumgewichte verzichtete. Die konsequente Umsetzung des Responsible-Care-Prinzips durch die Weichschaumindustrie wurde vom Gesetzgeber allerdings zugunsten einer Verordnungslösung verworfen.

Ein weiteres Beispiel für die Anwendung des Vorsichtsprinzips ist der stillschweigende Verzicht auf den Einsatz des Flammschutzmittels TCEP (Tris-chlorethylphosphat). Anfang der 90er Jahre hatte ein amerikanisches Institut aus einem Tierversuch Hinweise auf eine karzinogene Relevanz von TCEP abgeleitet. Nach dem geltenden Chemikaliengesetz und seinen Verordnungen, einschließlich der Liste der gefährlichen Stoffe, gibt es keine entsprechende Einstufung. Auch in weiteren Stofflisten, wie z.B. für MAK-Werte oder der Liste von Stoffen mit krebserregendem Potential oder mit dem Verdacht hierauf, ist TCEP gleichfalls nicht verzeichnet. Dennoch haben die PUR-Weichschaumhersteller im VWI die amerikanische Studie zum Anlass genommen, vorsorglich auf die Verwendung von TCEP als Flammschutzmittel in Schaumstoffen für Polstermöbel und Matratzen zu verzichten.

 

 

Neue Technologien

 Technisch gesprochen entstehen PUR-Schaumstoffe durch Polyaddition. Polyaddition heißt hier: Alkohol (Polyol) und Isocyanat, zwei organische Verbindungen, werden in einem chemischen Reaktionsprozess zu langkettigen (Makro-) Molekülen verbunden. Diese Reaktion ist eine reine Anlagerungsreaktion; es entsteht kein Nebenprodukt. Die Beimischung von Wasser führt zur CO2-Bildung, wodurch die Mischung aufschäumt, was die Zellstruktur des Schaumstoffs entstehen lässt. Mit besonders leichtflüchtigen Substanzen wie Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoff (FCKW) oder Methylenchlorid (MC), lassen sich zudem Weichschäume mit besonders niedrigen Raumgewichten herstellen. Um den Schutz der Umwelt und die Sicherheit der Mitarbeiter zu gewährleisten, ist die Verwendung dieser Schäumhilfsmittel in Deutschland verboten (FCKW) bzw. führt ohne aufwendige Absaug- und Filteranlagen (MC) zu unzulässig hohen Konzentrationen am Arbeitsplatz (MAK-Werte).

Wie aber dennoch besonders leichte und damit rohstoffsparende Weichschäume herstellen, wie dies außerhalb Deutschlands zum Teil noch immer ohne Einschränkungen möglich ist?

Eine Weiterentwicklung der Schäumtechnologie basiert auf flüssiger Kohlensäure, die als alternatives Treibmittel verwendet wird. Eine zweite, anlagentechnisch sehr aufwendige Alternative, ist das Schäumen unter konstanten atmosphärischen Bedingungen in einem geschlossenen System. Bei Unterdruck können niedrige Raumgewichte ohne physikalische Treibmittel hergestellt werden. VWI-Mitgliedsunternehmen haben in die neuen Technologien investiert, um so trotz der strengen deutschen Umwelt- und Arbeitsschutzbedingungen den Kunden dennoch die vollständige Produktpalette der PUR-Weichschaumstoffe zur Verfügung stellen zu können.

 

 

Wiederverwertung - ein Thema unserer Zeit

Schon lange bevor Wiederverwertung ein Thema unserer Zeit wurde, haben die Hersteller von PUR-Weichschaum dem Prinzip 'Vermeiden vor Verwerten' Rechnung getragen. Die ständige Optimierung der Verfahrenstechnik hat die im Produktions- und Verarbeitungsprozess anfallenden Schneid- und Stanzreste kontinuierlich reduziert. Noch verbleibende Reste werden zu Flocken zerkleinert und sind Ausgangsmaterial für ein neues hochwertiges Produkt: Flockenverbundschaum, ein Produkt mit eigenständigen Materialeigenschaften.

Es gibt eine Vielzahl von Recyclingverfahren, die speziell für Polyurethane entwickelt wurden. Bestehende Verfahren werden ständig verbessert, zusätzliche technische Möglichkeiten geprüft und neue Methoden entwickelt. Zusätzlich zur Rückführung in den Materialkreislauf durch stoffliches oder chemisches Recycling bietet die thermische Verwertung von PUR-Weichschaum eine Rückführung zum hauptsächlichen Einsatz von Erdöl: zur Nutzung des Energiegehaltes. Und das, nachdem der PUR-Weichschaum in vielfältiger Weise verwendet wurde, einen oder mehrere Lebenszyklen durchlaufen und dort schon häufig zur Einsparung erheblicher Energiemengen beigetragen hat.

Die heute bereits auf breiter Basis eingesetzten, leistungsfähigen Technologien für die Verwertung von Weichschaum werden ständig weiterentwickelt; zusätzliche Recyclingmöglichkeiten werden erforscht. Die bisherigen Erfolge der Vermeidungsstrategien und Verwertungskonzepte eröffnen weitere Möglichkeiten für die Zukunft.

 

 

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VWI - 11/2006